Kunstwerk: Between Glass and Magnetic Fields

GLASSKUNST MACHT MRT GREIFBAR


Künstler |
Gregory Alliss, (GB)

Kunstform | Glaskunst und Immersive Installation

Motivation | Wie lassen sich die komplexen physikalischen Prozesse der Magnetresonanztomographie MRT und die Entwicklung von MR‑Sequenzen sichtbar und greifbar machen? Dies war die zentrale Frage, die den britischen Glaskünstler Gregory Alliss während der Kunstresidenz »STEAM Imaging VI« geleitet hat. Die daraus entstehende Ausstellung, Between Glass and Magnetic Fields, überträgt die immateriellen Dynamiken der Magnetresonanztomographie – ein bildgebendes Verfahren, das strahlungsfreie, dreidimensionale Darstellungen des Körpers erzeugt – ins Medium Glas. Indem Alliss die sinnlichen und explorativen Möglichkeiten von Kunst mit wissenschaftlicher Exaktheit und Programmierung verbindet, erweitert er das ästhetische Potenzial zeitgenössischer Glaskunst. Seine Arbeiten integrieren kontaminiertes Abfallmaterial mit den Werkzeugen und der Logik der MR‑Sequenzentwicklung, um die Überschneidungen zwischen Sichtbarkeit, Materie und Bildentstehung zu erforschen.

Methoden & Umsetzung | Between Glass and Magnetic Fields feiert seine Premiere in der Inspace Gallery, Edinburgh, im Rahmen des Edinburgh Science Festival 2026 im April 2026. Die Ausstellung zeigt Glasskulpturen aus recyceltem Cathode Ray Tube (CRT)‑Glas, hergestellt aus alten Fernsehern, ein interaktives Glasobjekt, das mit MRT‑Simulationssoftware verknüpft ist, ergänzt durch Video‑Projektionen von MRT‑Aufnahmen der Glasobjekte sowie Live‑Scans während der Eröffnung aus dem MRT‑Labor in Bremen. Besucher:innen können Bildgebungssequenzen über das interaktive Objekt auslösen und ihre eigenen Reflexionen auf einem digitalen Tablet eintragen – wodurch sie einer „Reise durch Glas“ folgen, die Kunst und wissenschaftliche Bildgebung verbindet. Alliss’ Studio‑Praxis transformiert recyceltes und kontaminiertes Glas in fein durchdachte Kunstobjekte, die zugleich als Phantome fungieren – Ersatz für menschliches Gewebe in MRT‑Experimenten. In Wasser getaucht, offenbaren diese Glasphantome innere Hohlräume und Kontraste, die sichtbar machen, wie die Befehle der MR‑Sequenzen – Hochfrequenzimpulse, Gradienten und zeitliche Abläufe – die Bildentstehung formen. Die Arbeit eröffnet ein ästhetisch-materielles Zugangstor zur abstrakten Logik der MRT und verknüpft künstlerisch‑materielle Praxis mit dem fortschrittlichen Forschungsinstrument gammaSTAR.

Wissenschaftlicher Hintergrund | Die Magnetresonanztomographie (MRT) erstellt Bilder mithilfe genau gesteuerter Radiofrequenzimpulse, Gradienten und zeitlicher Parameter. In Alliss’ Arbeit machen die verwendeten Glasphantome unsichtbare Dynamiken sichtbar, indem sie diese in optische Kontraste übersetzen – zwischen Hohlräumen, Einschlüssen und spiegelnden Oberflächen. Im Rahmen von STEAM Imaging VI arbeitete der Künstler eng mit Wissenschaftlern des Fraunhofer MEVIS und Schüler:innen zusammen und entwickelte und leitete gemeinsam mit ihnen einen Workshop der Internationalen Fraunhofer Talent School Bremen. Kernstück dieser Zusammenarbeit war gammaSTAR, eine modulare, herstellerunabhängige Plattform für die Entwicklung von MRT‑Sequenzen, die Bildung, Forschung & Entwicklung und klinische Anwendungen miteinander verbindet. Das Projekt verkörpert das Ziel, Wissenschaft zu demokratisieren, Forschungsprozesse transparent und zugänglich zu machen und für transdisziplinäre Kreativität zu öffnen.

Credits | Dieses Residency & Science Engagement Projekt ist eine Partnerschaft zwischen Fraunhofer MEVIS in Bremen, Deutschland, und dem Institute for Design Informatics in Edinburgh und schafft eine einmalige Gelegenheit, das Potenzial kreativer, multi‑ und transdisziplinärer Ansätze in der digitalen Medizin zu erproben. Die Zusammenarbeit umfasst die International Fraunhofer Talent School Bremen und die Oberschule am Waller Ring in Bremen und wird von Ars Electronica in Linz, Österreich, unterstützt.